Franz Merz

Unser ehemaliger Kapo und Gruppenkaplan

Über 57 Jahre prägte er die KSJ Amberg.
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D) Kaplan in Erbendorf

files/ksj-pool/merz/image0032.jpg1939. Es war bereits abzusehen, dass die politische Entwicklung zum Krieg trieb. Daher wurde die Priesterweihe nicht wie sonst üblich am Fest Peter und Paul, sondern – um den Kurs von 42 Priesteramtskandidaten vor dem Wehrdienst zu bewahren – bereits am Sonntag nach Ostern erteilt. Die Amberger ND-Gruppe konnte in diesen Monaten vier ihre Mitglieder in das Priestertum geleiten: Holzapfel Helmut, bereits im Dezember 1938, bei dessen Primiz  Schindler Alois und ich levitierten; Jessen Karl hatte am 5. März in Nürnberg Primiz, Schindler Alois am 23. April ebenfalls in Nürnberg. Unser Kaplan hatte somit drei Primizpredigten hintereinander zu halten. Meine Primiz am 17. April wurde von der Gruppe großartig gestaltet. Sie stellte nicht nur zehn Ministranten, sondern bestritt auch das Programm des Primizmahles im Marienheim. Natürlich durfte dabei das Aussingen aller Schandtaten des Primizianten von seiner Geburt bis zur Gegenwart nicht fehlen. Primizgäste waren außer meiner Verwandtschaft auch mein Religionslehrer Professor Bauer und mein einstiger Klassleiter, der evangelische Oberstudienrat Kapeller.

 

Bei dieser Gelegenheit war auch die Schwester meines verstorbenen Vaters, Olga Wörle, mit ihrem Mann, einem überzeugten Nationalsozialisten, anwesend. Willi Wörle, ein Dorfschullehrer im schwäbischen Willmatshofen bekam wegen seiner Nazigedichte einen monatlichen Ehrensold von zweihundert Reichsmark. Er hatte eine „moderne“ Auffassung von der Ehe und forderte von seiner Frau: „Alles darfst du werden, nur kein Mammerl“. Sie wollten das Leben genießen und an Stelle von Kindern hatten sie einen Schoßhund, der verhätschelt und abgebusselt wurde. Als sie im vorgerückten Alter dann doch ein Kind wollten, hatte Olga einen Abgang. Und weil sich Willhelm Wörle wegen seiner Nazibegeisterung mit dem Pfarrer und vielen Bauern überwarf, wurde er nach Augsburg versetzt. Im Krieg wurden  beide dann ausgebombt und verdämmerten ihr Alter in Einsamkeit.

 

 Am 1.5.1939 trat ich meine erste Kaplanstelle in Erbendorf, einem Städtchen am Südabhang des Fichtelgebirges, an. Der dortige Kaplan war nach Schwandorf versetzt worden und ich kam an seine Stelle. Meine Mutter war etwas ungehalten darüber: „Hätte man nicht dich gleich nach Schwandorf beordern können? Dann wärest du in der Nähe und wir kämen öfter zusammen.“ Diese Meinung änderte sie gründlich, als sie erfuhr, dass der Schwandorfer

Kaplan zum Militär eingezogen worden und im Krieg gefallen war.

 

In Erbendorf war ich zunächst vor der Wehrmacht sicher, denn die Einzugsbehörde in Weiden leitete der Bruder des Amberger Stadtpfarrers  Dimpfl, der die Priester nach Möglichkeit aus dem Schlammassel heraushielt.

 

Erbendorf war für einen Priester ein heißes Pflaster. Es war zu zwei Drittel katholisch und zu einem Drittel evangelisch. Das Umland war zumeist evangelisch und von einem ökumenischen  Denken  war man  damals weit  entfernt. Außerdem war der Ort ein  Nazinest. Nicht nur der damalige Gauleiter Wagner (nach heutigen Begriffen bayrischer Ministerpräsident), sondern auch mehrere Kreisleiter stammten aus Erbendorf.

 

Wir waren drei Priester: Pfarrer Hofmann, Benefiziat Spießl, welcher die Filiale Grötschenreuth und das Krankenhaus zu versorgen hatte und ich. Mir waren die Filialen Wäldern und Wildenreuth anvertraut. Zwar hatte ich zur Primiz von meinen Verwandten ein prächtiges Motorrad geschenkt bekommen, eine feuerrote 250 ccm Triumph–Doppelkolben-Maschine. Um ihre Beschlagnahme durch das Militär zu verhindern, versteckten sie meine Onkel während des ganzen Krieges unter einem Kohlenhaufen. Ich kaufte mir daher eine                                                     125 ccm Hercules..

 

Die Versorgung der Filialen war besonders in den strengen Wintern der ersten Kriegsjahre eine Tortur. Nach Wildenreuth fuhr ich des öfteren mit dem Motorrad bei  –30 Grad über zum Teil schneeverwehte oder eisglatte Straßen. Auch der Marsch nach Wäldern war im Winter beschwerlich. Außer der Strasse, die aber einen weiten Umweg über Grötschenreuth machte, gab es nur einen Fußweg  und es machte keinen Unterschied ob ich ihn mit Skiern oder zu Fuß durch den oft kniehohen Schnee zurücklegte.  In der Kapelle von Siegritz fror manchmal bei der Frühmesse das Wasser ein. Doch gaben mir die Bauern dieser Gegend das beste Beispiel: Sonntags in aller Frühe kamen die Frauen aus dem Steinwald zur Frühmesse nach Erbendorf und während sie auf dem Heimweg waren, kamen die Männer mit den Kindern zum Pfarrgottesdienst.

Einmal wurde ich zu einem Versehgang gerufen und trug unter dem Mantel Chorrock und Stola samt dem Allerheiligsten. Da rutschte mein Motorrad auf der eisglatten Straße, ich stürzte und die Priestergewandung samt der Burse mit dem Allerheiligsten wurden sichtbar. – Niemand wagte sich zu mir heran.

 

Neben den Filialen war mir auch die Jugendseelsorge anvertraut. Die Jüngeren sammelte ich in einer Ministrantenschar. Außerdem hatte ich eine kleine Gruppe von älteren Jungen, mit denen ich außer den Gruppenstunden herrliche Wanderungen im Fichtelgebirge machte und eine Mädchengruppe. Für sie präparierten wir ein kleines, verstecktes Zimmer, im sogenannten Volkshaus, das der Pfarrei gehörte. Die Türe zu einer angrenzenden Gastwirtschaft dichteten wir mit Sägspänen ab und sorgten dafür, dass kein Licht nach außen scheinen konnte.

 

Schon nach einigen Monaten meines ersten Kaplanjahres war ich für 14 Tage praktisch Pfarrer von Erbendorf, weil der Benefiziat und der Pfarrer verhaftet waren.   Und das kam so:

Im Krankenhaus kam eine junge Frau, die evangelisch geheiratet hatte, zum Sterben. Sie wollte wieder in ihre Kirche zurück und Benefiziat Spießl nahm sie auf und versah sie mit den Sterbesakramenten. Dabei soll er angeblich ihren Mädchennamen ins Protokoll gesetzt haben. Jedenfalls wurde er und mit ihm der kränkliche Pfarrer verhaftet. Ich hielt das Begräbnis samt einer kurzen Ansprache, die ich ausnahmsweise wörtlich niederschrieb und vorlas. Die Evangelischen haben sich über diese nüchterne Rede aufgeregt, aber die Gestapo, der ich sie vorlegte, fand keinen Grund zur Beanstandung. Die Gestapobeamten beschlagnahmten übrigens bei der Hausdurchsuchung mein Abzeichen mit dem Christusmonogramm. Auf meine Bemerkung hin, warum sie sich mit solchen Kleinigkeiten befassten, meinten sie: „Das verstehen wir besser.“ Der Pfarrer kam nach 14 Tagen zurück. Aber Benefiziat Spießl war bis Kriegsende Häftling in Dachau. Wegen des kranken Pfarrers und des fehlenden Benefiziaten war ich nun in Erbendorf unabkömmlich.

 

Natürlich gab es an meiner ersten Kaplanstelle mancherlei Begegnungen und Erlebnisse. Nur auf einige will ich hier kurz eingehen:                

Ich werde zu einem Versehgang gerufen, hole in der Kirche eiligst das Krankenöl und das Allerheiligste und mache mich auf den Weg. Als ich bei der „Todkranken“ ankomme, putzt sie gerade das Zimmer, damit es schön sauber ist, wenn der Heiland kommt. Sie wollte eigentlich nur den neuen Kaplan sehen.

Eine andere Frau fragte mich einmal. „Darf denn ein Priester schön sein?“ Ich sagte „Schauen sie mich an!“

Bezeichnend für die zwiespältige Haltung vieler war die freudestrahlende Äußerung einer Mutter: „Nun hat meine Tochter einen Studienplatz an der Lehrerhochschule in Bayreuth bekommen. Sie musste natürlich  aus der Kirche austreten. Aber, Hochwürden, im Herzen bleiben wir katholisch.“

 

Ein Versehgang ist mir in unverblasster Erinnerung: Es war an einem Sonntag während der Christenlehre.    Keuchend kommt der Bub vom Farnbauer angeradelt: Ich soll doch schnell nach Wäldern kommen, die Großmutter richtet sich zum Sterben. Mit dem Motorrad fahre ich eilends zur Kirche, hole das Allerheiligste und fahre los. Mitten auf dem Weg streikt meine Maschine und ich muss den Vergaser reinigen. Endlich nach über einer Stunde komme ich in Wäldern an. Die Großmutter, eine fromme Frau, die getreulich Sonntag für Sonntag in aller Frühe - Sommer wie Winter - den beschwerlichen Kirchgang gemacht hatte, empfängt bei vollem Bewusstsein dankbar die Sterbesakramente. Als ich nun das Haus verlasse, kommt die Farnbäuerin und sagt: „ Soeben ist die Mutter gestorben.“

 

Ich war schon drei Jahre in Erbendorf und hatte auswärts zu tun. Zur Heimfahrt stieg ich in einen Wagen der Lokalbahn von Reuth nach Erbendorf. Es waren zunächst nur wenige Fahrgäste anwesend und ich hatte ein Abteil für mich. Der Zug füllte sich und schließlich waren alle Plätze besetzt. Nur meine zwei Bänke blieben leer. Da kommt Most Sepp, ein Jungführer der Hitlerjugend und einer meiner Ministranten, sieht die Situation und sagt laut: „Herr Kaplan, da traut sich jetzt keiner zu ihnen hersetzen, weil der Kreisleiter Schiffmann von Tirschenreuth mitfährt. Jetzt setze ich mich zu ihnen und leiste ihnen Gesellschaft.“

 

So erfrischend erfreulich diese Solidaritätserklärung auch war, sie hatte äußerst unangenehme Folgen:

Eines Tages erklärte mir der Pfarrer: „Herr Kooperator, der Ortsgruppenleiter hat mir gesagt, dass Sie bei der Gestapo wegen illegaler Jugendarbeit angezeigt sind.“ Das Schicksal unseres Benefiziaten, der nun schon 3 Jahre im KZ verbrachte, war mir eine Warnung. Ich telefoniere sofort nach Hause: „ Ich bin bei der Gestapo in Regensburg angezeigt; lasst euch etwas einfallen.“ Am nächsten Tag in aller Frühe fahre ich nach Regensburg und der mutige Generalvikar Scherm versetzt mich sofort in die Dompfarrei.

Meine Mutter beratschlagt mit meinen Onkeln: „Gibt es denn gar keine Verbindung zur Gestapo?“ – Onkel Franz: „Ich kenne einen Polizisten, der hat einen Freund bei der Gestapo in Regensburg“. Mein Onkel und dieser Polizist fahren nach Regensburg. Sie nehmen Dinge mit, die in diesen Kriegsjahren eine Rarität sind: einen Gansbauch, Geschirr usw. und bringen es tatsächlich zustande, dass der Gestapomann meine Akte verschwinden lässt. –

Über Nacht war ich aus Erbendorf verschwunden und auch meine Akte bei der Gestapo hatte sich in nichts aufgelöst. – Nicht nur ein neuer Lebensabschnitt, ein neues Leben konnte beginnen.

Als nach 1945 dieser Gestapomann im Internierungslager der Amerikaner war, wandte er sich an mich mit der Bitte, ihm diese Gefälligkeit zu bestätigen – was ich auch gerne tat, natürlich ohne den Gansbauch zu erwähnen. 

 

Auch einigen meiner ehemaligen – „schwarzen“ - Lehrer, die zur Mitgliedschaft in der Partei gezwungen worden waren, habe ich Befürwortungen für ihre Entnazifizierung – sog.“Persilscheine“ - ausgestellt. Sie meinten: „Unser Schüler Merz war gescheiter als wir.“ Es war aber nicht die Gescheitheit des Schülers Merz, sondern die klar katholische und kompromisslose Einstellung unserer Gruppe, welche meine Haltung und mein Handeln bestimmte.

 

Leider war Domkapitular Scherm nur kurze Zeit Generalvikar und wurde nach seinem Tod von Leuten ersetzt, die weniger Mut und Umsicht zeigten. Ein Kurskollege von mir, Kronschnabel, war Kaplan in Niederbayern. Als sein Pfarrer starb, wurde er trotz seiner Fähigkeiten -  er war der Primus unseres Kurses -  nicht Pfarrer und damit unabkömmlich. Nein, es wurde ihm ein älterer vor die Nase gesetzt. Kronschnabel wurde eingezogen und fiel im Krieg.

 

 Das Jahr 1942 brachte noch eine andere Anzeige mit sich, die schlimme Folgen hatte. Unser Gruppenkaplan, Karl Kreutner, nun Pfarrer von Theuern, half einer Flüchtlingsfamilie und schenkte ihr ein Feldbett, das der Beschlagnahme durch die Nazis entgangen war. Und weil er aus seinem Herzen keine Mördergrube machte, äußerte er: „Ich könnte ihnen noch mehrere Dutzend Betten geben, wenn sie die Nazibande nicht gestohlen hätte.“ Der Flüchtling zeigte ihn an und Pfarrer Kreutner musste 1 ½ Jahre Gefängnis in Nürnberg abbrummen.

 

In dieser Zeit reagierten viele ihre Abneigung gegen das Regime mit politischen Witzen ab, die sie Vertrauten unter vorgehaltener Hand erzählten, wie z.B.: Ein im KZ umerzogener Häftling bekommt nach seiner Entlassung Besuch von Propagandaminister Göbbels und zeigt diesem ein Album mit Bildern von Nazigrößen. Da war zunächst Hitler zu sehen mit der Unterschrift „Der Herr erhalte ihn!“ Desgleichen Göring und Göbbels, der sich sehr erfreut über die wirkungsvolle Umerziehung äußerte. Schließlich kam ein Bild von Röhm, den Hitler hatte ermorden lassen, mit der Unterschrift: „Der Herr hat ihn schon erhalten.“

 Man musste aber mit seinen Äußerungen außerordentlich vorsichtig sein. Darum sprach man vom „Deutschen Blick“, indem man sich nämlich vor jeder gefährlicher Äußerung nach allen Seiten umsah, ob kein Parteispitzel unterwegs war.

 

Mit meinem Wegzug von Erbendorf war meine Verbindung mit meinen Jugendlichen nicht abgebrochen.  Meine Buben kamen zum Arbeitsdienst, zur Wehrmacht und in den Krieg. Die Korrespondenz mit ihnen zeigte mir, dass meine Arbeit nicht vergeblich war:

 

Bösl Herrmann:                                                             RAD  (Reichsarbeitdienst) 30. 5. 43

„...lauter menschliche Schweine. Aber wenn ich sage: “Hört auf mit eurem Gerede!“, dann ist es gleich ruhig. Oder ich nehme die Quetsche und spiele – dann müssen sie aufhören.

Morgens, wenn wir zum Exerzieren marschieren, kommen wir an  einem Kreuz vorbei und wenn ich wirklich einmal mein Morgengebet  vergessen haben sollte, dann denke ich gewiss daran...  Die Stellung wird eisern gehalten und wenn tausend Teufel dagegen anrennen! ...“

                                                                                                                                        

 

                                                                                                                                          20.7.43

„Ich muss am Sonntag zur Luftwaffe einrücken. Genau so, wie ich beim Militär meinen Humor nicht verloren habe...gehen wir mit dem frohen Gedanken „Ich bin ja in Gottes Hand“ durch die Militärzeit.“

                                                                                                                                           15.9.43

„Es ist herrlich, wenn man am Meer steht und geht gerade die Sonne unter. Da kann man Gottes Werk bewundern. – Nun eine große Freude für mich: Wir dürfen wahrscheinlich jeden zweiten Sonntag in einen Feldgottesdienst... freue mich jetzt schon darauf. Wenn man lange in keiner Kirche war, dann sieht man, dass man ohne Kirche nur ein halber Mensch ist... Im Geist sind wir alle immer beisammen, zumal am Sonntag im Gottesdienst.“

                                                                                                                                         27.12.43

„Am Hl. Abend hatten wir Weihnachtsfeier...Zuerst wurden lauter katholische Lieder gesungen. Es freute mich, denn es war eine urkatholische Stimmung...Dann wurde Glühwein ausgeschenkt... Aber ab 7 Uhr musste ich auf Posten ziehen und ich war froh, aus dieser Gesellschaft herauszukommen, denn nun waren die meisten schon betrunken. Ich wollte mit meinen Gedanken allein sein. Meine Gedanken waren daheim bei den Lieben und besonders in der Christmette... Zuerst hatte ich immer den Wunsch ‚nun möchte ich daheim sein und vor eine Krippe steh’n’. Aber dann sagte Gott zu mir: „Ich bin auch hier bei dir, denn wer mich mit reinem Herzen sucht, der findet mich überall. Ich war ganz froh und glücklich... Lieber Kaplan, wenn man sich nicht an seinem Herrgott festhalten könnte in dieser schweren Zeit, man müsste, glaub ich, verzweifeln.“

                                                                                                                                             2.2.44

„...Die Stellung ist noch unerschüttert – sie wird gehalten!

 

Edelmann Otto                                                                                 RAD      19.6.43

„...Die Kameraden sind alle ganz anderer Anschauung als ich... und wenn ich ihre Rede unterbreche und meine Meinung sage, sind sie wieder eine Zeit lang still. Einige, die bloß der andern wegen mitreden... geben mir auch immer recht und sie sind jetzt am Abend schon immer auf meiner Klappe und nicht bei denen, die bloß Thema I haben... Mein einziger Wunsch ist, wenn ich heim komme, mal wieder einer hl. Messe beiwohnen zu dürfen, was ich jetzt ein halbes Jahr lang nicht konnte.

Jetzt muss ich schließen, denn mein Kamerad bittet mich schon lange, ich soll ihm einen Brief an seinen Bauern schreiben, damit er ihm sein Gewand schickt. Er ist ein sehr armer Kerl und wenn ich ein Paket bekam, hab ich ihm immer was gegeben. Er hat schon seit 12 Jahren keine Eltern mehr. Ich bedauere ihn immer sehr, wenn andere Post bekommen, denn er bekommt fast die ganze Zeit nichts. Er kann  nicht schreiben und lesen, ist aber ein ganz guter Kerl. Ich hab ihm auch das Schreiben lernen wollen, aber dazu ist jetzt die Zeit zu kurz...“

                                                                                                                                           19.9.43

„Bei der Luftwaffe ist es viel  besser als beim RAD. Letzten Sonntag war Feldgottesdienst und ich hatte Brandwache. Ich konnte nicht weg und hab mich arg geärgert... Sie können sich gar nicht vorstellen, wie herrlich es ist, einen solchen Brief, wie den Ihren, zu bekommen. Hab ihn zwei und dreimal gelesen und habe die Wanderungen in unserem Jagdgebiet und die Fahrt auf die Luisenburg im Gedanken miterlebt, denn wenn man herausen in der Welt ist,..sieht man erst, wie schön es bei uns ist.

 Lieber Herr Kaplan, am besten gefiel mir, dass daheim auch noch etwas zusammengeht in der Gemeinschaftsmesse. Wenn ich jetzt daheim wäre, würde ich auch nicht mehr wegbleiben, weil gerade diese Messe, wo man doch ein kleines Opfer bringen muss, zum kernigen Aufbau des jungen Menschen beiträgt. Man sieht das alles erst, wenn man unter andere Menschen kommt. Die sind nicht so gesinnt wie wir, weil denen etwas fehlt und das ist das Kernige, das wir haben. Und ich bin Ihnen sehr dankbar, dass sie mich dort aus den Händen der Falschen herausgezogen haben. Ich kann mir jetzt erst vorstellen, wie gefährlich es dort mit mir aussah – ich wäre vielleicht genau derselbe wie meine Kameraden...“ 

                                                                                                                                           18.1.43

„...bin jetzt schon 14 Tage auf Kommando in Hailfingen – äußerst günstig für mich: ich kann alle Sonntage die Messe besuchen und das ist ja die Hauptsache. Bin noch bis Weihnachten da und kann  auch in die Mette. Also geht mir überhaupt nichts ab, so lang ich in Hailfingen bin.“

                                                                                                                                           28.2.44

„...Als am Dienstag Alarm war, ging ich mit einem Gefreiten an meinen MG-Stand. Über uns sausten die feindlichen Flugzeuge, die Flak schoss und wir mussten uns in Acht nehmen. Wir unterhielten uns über alles Mögliche und auf einmal sagte er zu mir: “Letzten Sonntag habe ich einmal wieder einen richtigen Sonntag gefeiert und ich freue mich schon wieder auf den nächsten.“ Ich fragte ihn warum? Da sagte er: „Bist du katholisch?“ - „Natürlich!“ Und dann fing er an, zu erzählen: „Ich bin jetzt zwei Jahre beim Barras, war am Anfang ein guter Christ und ging jeden Sonntag in meine Kirche und dachte, das sei genug. Wir kamen dann nach Frankreich und dort ließ ich mich von meinen Kameraden verführen. Bin dann bis vorigen Sonntag nicht mehr in die Kirche gekommen. Da schrieb mir meine Mutter: ‚Ich bin krank und kann nicht mehr in die Kirche gehen: vielleicht kommst du.’ Ich ging dann und da hielt der Pfarrer eine so feine  Predigt, dass  ich wieder zum Glauben zurückfand und jetzt will ich nächsten Sonntag beichten. Kommst du mit, damit ich nicht allein bin?“ ich gab ihm mein Jawort und er war mir sehr dankbar dafür. Ich selber bin froh, endlich mal einen gefunden zu haben, der jetzt der gleichen Anschauung ist....Ihr Brief gab mir wieder neue Kräfte und neuen Schwung. Sie glauben gar nicht, was mir so ein Brief wert ist...“

                                                                                                                                             2.5.44

„...Habe mich zu Hause aufgefrischt und kann jetzt wieder lange durchhalten...Grüße Sie

                                                                                          Ihr „kleiner schwarzer Zigeuner“ Otto

                                                                                                                                 Paris, 27.5.44

„Endlich bin ich mal bei einer richtigen Einheit und zwar bei den Fallschirmjägern...“

                                                                                                                          Erbendorf, 3.8.44

Hochwürdiger Herr Kooperator, leider bringe ich Ihnen die traurige Nachricht, dass mein zweiter lieber guter Sohn Otto am 13. Juli im Blütenalter von 18 ¾ Jahren im Westen gefallen ist. Empfehlen Sie meinen lieben Otto in Ihr Gebet...                    Familie Edelmann

 

Most Sepp                                                                                                            RAD 17.3.43

„Jetzt habe ich überhaupt keinen Kameraden mehr, der meiner Anschauung ist...Unter der Arbeit bete ich so manches ‘Vater unser’...dann wird mir immer leichter. Bin immer noch so,  dass ich kommunizieren kann...“

                                                                                                                                          14.4.43                                                                                                                                       

„...Meine Gedanken sind gerade bei der Auferstehungsfeier: ‚Alleluja, Großer Gott, wir loben dich’...Bin unter lauter Kameraden, die sich die ganze Zeit über ‚Thema I’ unterhalten. Aber sie können mich nicht aus der Ruhe bringen, denn den letzten Trumpf hatte immer ich ausgespielt.“

                                                                                                                                             5.6.43

„...Habe schon wieder so manche Glaubensauseinandersetzungen durchgemacht. Aber das macht mir immer sehr große Freude: Die Kerle pappeln ja einen Mist zusammen. Wenn man ihnen Antwort gibt oder fragt sie, stehen sie da, wie’s Kind vorm Dreck. Es ist nämlich mit Ihnen gar nicht so weit her – man muss ihnen bloß die Schneid abkaufen...“

                                                                                                                            

                                                                                                                             Wischa, 9.12.43

„...Machte 4 Wochen eine Infanterieausbildung durch  und hatte kaum Zeit zu schreiben...An einem Sonntag hing ein Kompaniebefehl am schwarzen Brett: ‚Wer zum Gottesdienst gehen will, kann gehen“. Ich machte ,mich sofort startbereit. Auch ein Oberschlesier ging mit. Wir hatten eine große Freude und es riss von den anderen Stuben noch welche mit...Ein Divisionspfarrer hielt uns einen ausgezeichneten Vortrag, der uns wieder stark und hart machte. Zum Schluss sangen wir ‚Großer Gott, wir loben dich’ und ‚Fest soll mein Taufbund immer steh’n’. – Ja, Franz, es war für mich eine herrliche Stunde. All meine Sorgen waren vorbei.“

                                                                                                                                           28.1.44

„Lieber Franz, wenn auch hie und da schwere Stunden über mich kommen, so denke ich: ‚Herrgott, du hast noch mehr und schwerere Stunden durchmachen müssen’. Erst in den schweren Stunden fühlt man die Hand Gottes und man merkt, dass es noch einen Höheren gibt, der uns regiert.

Auch einen Kameraden habe ich gefunden, der dieselbe Einstellung wie ich hat. Eines Tages zog einer meiner Kameraden über die Priester her, was ich mir nicht gefallen ließ. Mein Freund und ich spielten natürlich den letzten Trumpf aus und eine Freude kam in mir hoch, die ich gar nicht beschreiben kann.

Eines Tages kam mein Freund zu mir und sagte: „Lieber Sepp, so stark und so glücklich wie du möchte ich auch sein.“ – Ich sagte zu ihm: „Ja, Fritze, ich weiß, was dich unglücklich macht.“ Wir unterhielten uns eine Weile. Dann gab ich ihm das kleine Gebetbuch (‚Aufwärts’), das Du mir damals geschenkt hast. Ich erzählte ihm auch von den schönen und schweren Stunden in Erbendorf, die wir miteinander verlebt haben.

Eines Tages fragte er mich: ‚Sepp, betest du auch früh und abends?’ Meine Antwort: ‚Selbstverständlich!’ (was ich auch Tag für Tag mache). Ich erklärte im das Beten, so, wie ich es von Dir gelernt hatte: andächtig, kurz und bündig. Er war mir sehr dankbar.

Lieber Franz, man kann  nur glücklich sein, wenn man mit unserem Herrgott in Verbindung steht.“

                                                                                                                                           12.7.44

„...Wenn ich irgendwie Zeit habe, nehme ich das Büchlein ‚Aufwärts’ in die Hand und bete den Kreuzweg. Es ist mir dann immer als wäre mir ein Stein vom Herzen gefallen und ich bekomme innerliche  Freude und neue Kraft...Einmal wird auch der Tag wieder kommen, an dem ich zu den hl. Sakramenten gehen kann.“

                                                                                                                                         26.11.44

„...Es war für mich ein schweres Jahr: erst der Todesfall meines Vaters und dann unser lieber Otto...Wenn solche  Zeiten über mich kommen, dann denke ich immer: ‚Herrgott, dein Wille geschehe!“

 

Schäffler Sepp                                                                                               Budweis, 23.1.43

„...Ja, Franz, Du glaubst nicht, wie manche, oder besser gesagt viele an Dir hingen, wenn  sich dieselben dies auch nicht anmerken ließen...Es ist vielleicht auch gut, dass Du von uns gehen musstest; aber deswegen lassen wir uns nicht irre machen...Dass wir alle auf Draht waren, als wir einberufen wurden (zum RAD u. zur Reichswehr), ist wohl klar. Auch der Sepp und der Otto sind zuvor noch bei ‚Ihm’ (d.h. bei den Sakramenten) gewesen. Sie werden ja manchen Stoß aushalten müssen. Aber sie halten schon durch. Darüber brauchen wir uns keine Sorgen  machen.“

                                                                                                                                           27.3.43

„...Gestern ging ich zur Beichte und hernach zu ‚Ihm’. Jetzt bin ich wieder froh und glücklich. In der Bude sind wir 24 Mann, alle ‚schlappe Figuren’, aber mit Schweinereien die ersten.

                                                                                                                                        

                                                                                                                                         22.12.43                                                                                                                                                                                                                                                              „...bin ich bereits auf dem Transport nach Osten...komme, was kommen mag: es liegt alles in Gottes Hand. Ich bin innerlich ganz froh und glücklich, wenn auch der Abschied etwas schwer gefallen ist.“

                                                                                                                                           10.1.4„...aber dennoch wird’s einem der Herrgott so geschickt haben: denn vorgestern sind wir nach Nome gekommen und schon bin  ich verwundet. Es ist nur ein Granatsplitter und zwar in der rechten Schulter.

 

Eber Erich                                                                                               RAD 5.2.44

„... Habe vor 3 Wochen den Zugführer um  Erlaubnis zum Gottesdienstbesuch gefragt. Er gab mir zur Antwort, was ich mir überhaupt einbilde und ein junger Mann wie hier im Arbeitsdienst denke an so etwas überhaupt noch! Ich gab ihm zur Antwort: „Das ist meine Überzeugung!“ Und er fing von vorne an. – Habe dies heute bereits wiederholt – ohne Erfolg.

Ich werde es wieder probieren, denn ganz abgeschlagen hat er es nicht. Im Dienst kann er mir nichts nachsagen. – Auch wären noch 6 Kameraden mitgegangen, von denen sich keiner zu fragen traute. Aber für was sind wir denn geschult!

Auf der Bude kennt jeder meine Einstellung und sie haben alle Respekt vor mir...

Es grüßt Dich Dein alter Kamerad  Erich

                                                                                                                                           23.3.44

„...Vielleicht kann ich über Ostern in Urlaub fahren, denn mein Vater ist von Russland auch auf Urlaub da. Das wäre eine Freude, Ostern, den Tag der Auferstehung zu Hause feiern! Denn man sieht erst, was die hl. Messe einem gibt, nach längerem Fernbleiben...“

                                                                                                                                             9.4.44

„...Statt Urlaub wurde ich in die Abteilung 3/89 versetzt. Der Urlaub fiel ins Wasser...Gestern, am Ostersonntag, hatten wir 15 km  Gepäckmarsch – war Scheiße! - Heute hatten wir um 2 Uhr erst Ausgang. Also seelisch in jeder Hinsicht Dreck. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen, komme es wie es wolle! Nun gib mir bitte Deine Ratschläge, wie wir es ja bis jetzt immer gemacht haben. Dann wird alles zum Guten gehen...“

                                                                                                                Leba, Pommern 29.6.44

„...Sepp und ich haben einen prima Urlaub verlebt...In der Gemeinschaftsmesse haben wir überraschend ministriert (in Uniform). Ich kann Dir sagen, das war das Tagesgespräch von Erbendorf und Umgebung...In Thorn kamen wir auf der Bude in Meinungsaustausch. Ich stand allein gegen 16. Aber ich habe aufs neue gesehen, auf welch festen Grund wir stehen und welch glückliche Menschen die sind, die an Christus glauben.., denn es gibt bestimmt nichts Schöneres als innerlich friedlich und glücklich zu sein. Und das geht bloß mit Gott.“

                                                                                                                                                 

                                                                                                                                            9.7.44                                                                                                                 

Vor ein paar Tagen gab es Gebetbücher für Matrosen. Ich hab mich gemeldet. – Das war eine Hölle! - Aber sie haben sich wieder beruhigt. Sonst geht der Kampf weiter in all seinen Phasen....Kameraden, die meiner Ansicht sind, habe ich noch keine gefunden...“

 

                                                                                                Bitsch-Lager, Lothringen, 27.8.44

„Als ich die  Nachricht bekam, dass Otto gefallen ist – ich weiß selbst nicht, wie mir zu Mute war. Aber es ist Tatsache: Otto lebt nicht mehr – aber in unserem Sinn lebt er trotzdem weiter.

Er hat den guten Kampf gekämpft. Kameradschaft kannte er bis zum Letzten und gab dafür sein junges Leben. Otto redete nicht viel über seine Einstellung, aber er blieb Gott treu. Und das wolltest Du ja auch. – Wenige sind wir, aber hart wie Eichen, die dem stärksten Sturm gewachsen sind. Und ich glaube, das hast Du auch erreicht...Ich schließe Otto jeden Tag in mein Gebet ein.

 Man sieht erst in der Ferne, was unser Glaube wert ist und welche Kraft wir aus dieser Quelle schöpfen. Ich habe es am besten in Thorn gesehen auf meiner Bude: Einer meiner Kameraden war ein Deutschgläubiger (d.h. für ihn war Hitler Gott). Diese Kerle haben rein gar nichts.  Nichts ist denen heilig. -  Es wollte mich schon so mancher auf die andere Seite bringen. Es gab deswegen schon so manchen Kampf. – Bei uns heißt es eben ‚Sei, was du bist! Aber habe den Mut, was du bist, ganz zu sein!’ Otto hat das bewiesen und wir übrigen werden darum kämpfen und mag es noch so hart sein!

Habe schon einen einigermaßen auf den rechten Weg gebracht. Eine harte Nuss habe ich noch hier – ob die bricht, weiß ich nicht. Er war Gefolgschaftsführer und zwar mit Leib und Seele. Aber ein Bombenjunge! Na, ich werde es mal probieren.

Zum Sakramentenempfang und zum Messbesuch gibt es hier keine Gelegenheit.“

                                                                                                                                           28.9.44

„...Ich bin ab heute nicht mehr Matrose, sondern Panzerzerstörer. Es ist ja völlig egal, wo wir uns befinden: unser Herrgott ist ja immer bei uns.“

                                                                                                                                           6.10.44

„Nächsten Sonntag werde ich höchstwahrscheinlich zum Gottesdienst kommen. Wenn es glückt, werde ich auch die Sakramente empfangen. Dann kann es ruhig an die Front gehen. Was kann dann schon passieren? Dann heißt es: ‚Seid bereit, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde!’ Die körperliche Frische habe ich noch behalten und auch den frohen Mut, um den mich manche schon beneidet haben...“

                                                                                                                         Erbendorf 17.2.45

„Endlich bin ich so weit, dass ich Ihnen danken kann für Ihren Brief. Er kam gerade zu rechten Zeit und brachte mir Trost. Immer hatte ich Angst, wenn ich das harte Wort „vermisst“ gehört habe. Ich war fast krank und ganz von Sinnen. Denn was ich an Erich verloren habe, das weiß ich allein. Er hat gearbeitet in seinem Urlaub von früh bis spät. Am Dienstag Abend ist er angekommen. Am Mittwoch hat er sich bei seinem Meister gemeldet. Ich habe ihm gesagt, er soll wenigstens einen Tag zu Hause bleiben und zwar den letzten. An diesem letzten Tag hat er gearbeitet bis 9 Uhr und dann ist er bei strömenden Regen in den Wald gefahren und hat für vier Wochen Holz gebracht, weil er gewusst hat, dass ich bloß zwei Stehr bekommen habe. Auf dem Weg hat er gesagt: ‚Warte nur, wenn ich gesund wieder komme, dann sollst du es auch einmal schön haben, dann darfst du nicht mehr zur Arbeit gehen.’ Er musste fast laufen zur Bahn. Und das war der Abschied vielleicht für ein ganzes Leben...“                                                                                                                   Maria Eber

 

Wenn ich heute unsere junge Wohlstandsgesellschaft – auch die Mitglieder unserer katholischen Jugendgruppen - mit den damaligen vergleiche, kommt mir schmerzlich der gewaltige Unterschied zum Bewusstsein.

Die Schreiber dieser Briefe waren junge Leute mit Volksschulbildung - ich musste eine Reihe von Rechtschreibfehlern verbessern und so manche  Sätze glätten -, aber sie hatten menschliche und christliche Substanz, auf der sich das Reich Gottes aufbauen ließ. Der Großteil der heutigen jungen Spaßgesellschaft dagegen ist verweichlicht und verzogen und nicht wenige sind verhaltensgestört. Die meisten kennen kein Gebet und keine Sonntagsmesse und wenn man ihnen christliche Grundsätze nahe bringen will, dann trifft man auf Resignation und hilflose Ablehnung: „Das alles ist so schwer“ – „Wir haben eben eine andere Zeit“ – „Wenn ich so leben will, dann bin ich bei meinen Kameraden verschissen“ usw. Ich muss unwillkürlich an ein Wort des hl. Augustinus denken: „Diese einfachen Leute reißen das Himmelreich an sich, während wir Gebildeten mit unseren Schwächen und Leidenschaften nicht fertig werden“.

Aber im Grunde sind diese Wohlstandskinder arme Hunde, seelisch verwahrlost und elterngeschädigt. Sie sind „wie Schafe, die keinen Hirten haben (Mt 9,36)“. Ich kann mich bloß über deren Eltern wundern, die doch noch einen einigermaßen geregelten Religionsunterricht hatten. Sie denken und handeln primitiv materialistisch: Hauptsache Gesundheit und gute Noten. Dass sie damit den Kindern ihren Weg zum wahren Glück verbauen, kommt ihnen gar nicht in den Sinn.